Dammbruch

Der Stift klemmt! Aber gewaltig. Eigentlich liegt ein Stapel von unfassbaren Ausmaßen auf dem Lesestapel – er erfreut sich regen Wachstums. Daneben liegt ein leerer Stapel Papier, der mit schlauen Gedanken beschrieben werden möchte. Auch der wuchert. Doch es mag nicht so recht vorwärts gehen. Eine Hausarbeit ist nun wirklich schon mehr als ausgereift, da müssen nur noch die gestauten Dämme brechen und die letzten sechs Seiten füllen. Danach warten noch zwei mal 15 Seiten auf mich, die sollten aber auch zu schaffen sein – eigentlich ist das alles nicht die Nummer, aber irgendwas ist blockiert. Ein tägliches Ringen mit dem Lästigen. Eine Zeit lang lief das, doch dann die Frage, die der Motivation den Todesstoß versetzt hat: „Wofür mache ich das eigentlich?“ Wochenlang hängt man in den heiligen Hallen der Bücher ab, liest hier, findet dort ein Fetzen, konstruiert Ideen und Thesen, verwirft sie. Schreibt am Ende die vorgegebenen Seiten runter. Dann gibt man den Text ab. Ein/e Dozent/in legt die Mappe erstmal zu den anderen 40, die er noch lesen muss. Wenn man dann an de Reihe ist, kann es sein, dass man Glück hat und die Lektüre für eine Fahrt mit der Bahn hervorgebracht hat, wenn man zu einem weniger prominenten Zeitpunkt dran ist, kann es sein, dass besagte/r Dozent/in nach einem Streit mit den Kindern den Text hervorzieht und vollkommen abgelenkt sein Urteil fällt. Nicht, dass dieses zwangsläufig schlechter ausfällt. Aber es wird von unscharfen Sinnen mehr oder minder erfasst. Die 15 Seiten, die einem armen Stück Holz Leben und würde genommen haben, werden dann „archiviert“, soll heißen: für X Jahre irgendwo eingekerkert. Dann kommt der Schredder. Und Tschüss. Ist es das wert? Ja, das Argument mag sein, dass man dabei was gelernt hat, für sich allein im Kämmerlein. Außerdem sind 3 Mio mg Koffein durch den eigenen Körper geflossen, nette Gespräche in der Cafeteria geführt worden und vielleicht hat sich der/die Dozent/in auch amüsiert und den Familienkrach vergessen. Aber irgendwie hätte man am Ende doch mehr mitnehmen können.

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